VeggieStart / Stories of Transformation

Auf dieser Seite berichten Menschen über ihren Weg zum Veganismus / Vegetarismus. Damit machen sie anderen Menschen Mut, ebenfalls ihre Ernährungsgewohnheiten umzustellen. Möchtest auch du deine Geschichte erzählen? Gerne! Bei Interesse nimm doch bitte Kontakt mit uns auf.

Die folgenden Geschichten  stammen von der amerikanischen Webseite The Joyful Vegan: Stories of Transformation und wurden von T. Paasche ins Deutsche übersetzt. Colleen Patrick-Goudreau gab uns ihr Einverständnis, diese Geschichten auf unserer Webseite zu veröffentlichen.

 

Vom Vegetarier, der Freilandeier isst, zum bewussten Veganer

Bevor ich in diesem Sommer den Entschluss fasste, vegan zu leben, lebte ich bereits seit ca. 10 Jahren vegetarisch und war immer stolz darauf, keine Tiere zu essen.  Die Idee der veganen Lebensweise rumorte in meinem Unterbewusstsein, aber ich redete mir ein, dass ich sie – aus den üblichen Gründen –  nicht umsetzen „konnte“: es wäre zu hart, ich könne doch nicht ohne Joghurt und Käse leben, ich könne in kein Restaurant mehr gehen, Eier und Milch töteten doch keine Tiere, und so weiter und so fort.

Als ich schließlich die Verbindung herstellte, dass Kalbfleisch- und Milchindustrie einander bedingen, ging mir ein Licht auf. Als Vegetarier fand ich immer, dass Kalbfleisch eines der am meisten abzulehnenden Dinge war, die man essen konnte. Doch genau diese Industrie unterstützte ich jedes Mal, wenn ich Milch in meinen Kaffee gab.

Ehrlich gesagt weiß ich nicht, warum ich diesen Zusammenhang niemals zuvor hergestellt hatte. Ich wuchs in einer ländlichen Gegend auf und wir hatten eine eigene Kuh, als ich ein Kind war. Meine Eltern ließen den Tierarzt kommen, um sie künstlich zu befruchten. Wir wussten, dass sie das überhaupt nicht mochte, denn jedes Mal, wenn sie sein Auto anfahren hörte, versuchte sie, sich zu verstecken, was zeigt, wie schlau Kühe wirklich sind! Die Auffahrt war von der Koppel, wo Moo und die anderen Tiere lebten, nicht zu sehen, doch trotzdem war sie in der Lage, zwischen dem Geräusch des Motors und den unangenehmen Prozeduren, die an ihr vorgenommen wurden, eine Verbindung herzustellen.

Ohne Zweifel konnte Moo viel besser Verbindungen herstellen als ich, denn ich erkannte nie, dass Moo Babies bekommen musste, um Milch zu geben. Je mehr ich darüber nachdenke, desto erstaunter bin ich, wie ich 40 Jahre lang durchs Leben gehen konnte, ohne an die Folgen zu denken, die im Rahmen der Massentierhaltung entstehen, wenn Millionen von Kühen ständig Kälber gebären müssen, von denen rund 50% männlich sind, und was mit diesen männlichen Kälber dann geschehen würde.

Dasselbe gilt auch für Eier. Selbst nachdem ich Vegetarier geworden war und mich über die Massentierhaltung schlau gemacht hatte, glaubte ich noch, dass Freilandeier und Bio-Käse die Lösung seien. Ich nahm quasi an, dass Freilandhühner so leben würden wie unsere Hühner, als ich ein Kind war.  Als ich noch klein war wusste ich jedoch schon, dass meine Eltern die männlichen Küken töteten. Dies war eines der prägenden Erlebnisse, die mich schließlich dem Vegetarismus zuwandten. Das Fleisch von Hühnern serviert zu bekommen, die ich persönlich gekannt hatte, ließ mich nur schwer darüber hinwegsehen, dass das Fleisch von einem Tier stammte. Mir wurde jedoch nie so richtig bewusst, dass das Töten von männlichen Küken einfach ein Teil der Eierindustrie ist und dass dies auf Freilandfarmen genauso geschieht wie irgendwo anders.

Ich glaube, dass dies ein typisches Symptom ist, wenn man in einer Kultur aufwächst, in der alles so zusammenhangslos ist und wir blind dafür werden, was um uns herum geschieht. Und die unverblümte Wahrheit ist, dass ich diese Zusammenhänge nicht herstellte, weil ich sie nicht herstellen *wollte*.

Ich bin erstaunt darüber, wie tief mich mein Entschluss, vegan zu werden, geprägt hat.  Es ist eine viel größere Veränderung als es der Schritt zum Vegetarier jemals war und sie scheint viel bedeutender. Wenn ich mich umschaue, stelle ich fest, dass ich nun die Welt durch andere Augen sehe. Ich kann z.B. nicht glauben, wie viele Lederartikel ich in all den Jahren gedankenlos gekauft habe oder dass ich mich nie fragte, was mit den Enten geschieht, deren Federn meine Bettdecke füllen. Was habe ich gedacht? Wie konnte ich Geld für solche Dinge ausgeben, während ich in dem Glauben war, Tiere zu lieben?

Dies alles sind schmerzhafte Erkenntnisse, doch es ist eine gute Art von Schmerz, da ich nun ehrlich mit mir bin. Es fühlt sich an wie eine Heimkehr zu mir selbst. Endlich lebe ich nun ein Leben, das dem, wie ich wirklich bin, gerecht wird.

 

Fleischessende College-Studentin wird vegan – inspiriert durch den Biologieunterricht

Ich möchte eine weitere Geschichte darüber erzählen, wie euer Podcast einer Person dazu verholfen hat, vegan zu werden. Ich bin Studentin und als ich im letzten Jahr intensiv über das Thema „Veganismus“ recherchierte, stieß ich auf euren Podcast. Sofort war ich von den Informationen, die Sie darin anbieten, begeistert.

Ich bin als Omnivor aufgewachsen; meine Lieblingsspeisen als Heranwachsende waren Käse, Milch und Sauerteigbrot. Meine Familie ernährte sich einigermaßen gesund, aber nicht vegetarisch. In meinem Freundeskreis gab es keine Vegetarier (soweit ich weiß), aber es gab eine überzeugte Veganerin. Ich kannte sie aus der Highschool. Sie lebte aus ethischen Gründen vegan und die meisten Menschen, mich selbst inbegriffen, hielten sie für eine wundervolle Person, jedoch irgendwie auch verrückt und „extrem“. Wie die meisten Amerikaner war ich auf meine Essgewohnheiten sehr festgelegt und hätte mir nie vorstellen können, Vegetarier, geschweige denn Veganer zu werden.

Im Biologieunterricht des vergangenen Semesters lag der Schwerpunkt auf Mikroben und menschlichen Erkrankungen. In Verbindung mit der Spinatkrise wurden im Unterrricht auch der Umgang mit dem Tierbestand und die Routinefütterung von Antibiotika und Wachstumshormonen angesprochen. Ich hatte über diese Themen nie nachgedacht oder etwas darüber gelernt. Als ich mit meiner Professorin sprach, merkte sie an, man könne hormonfreies oder Bio-Fleisch kaufen. Ich wusste jedoch, dass unsere Mensa kein Extra-Geld für solches Fleisch ausgab.

Beunruhigt über die Entstehung von Antibiotika-resistenten Bakterien und Hormonen, beschäftigte ich mich zum ersten Mal in meinem Leben mit der Tierhaltung und war über das, was ich herausfand, schockiert. Vegetarier zu werden war noch einfach. Ich musste lediglich um „kein Huhn“ in meinem Pfannengericht bitten, verwöhnte mich stattdessen mit einer Extra-Portion Eis und war glücklich, keinen eingesperrten, gequälten Vogel zu essen. Die Mensa zeichnete alle vegetarischen Gerichte (oft Lasagne mit Käse oder Kartoffeln) mit einem „v“ aus. So war es einfach, die Dinge zu finden, die man essen konnte. Ich genoss es, wenn Leute überrascht waren, als sie herausfanden, dass ich Vegetarierin war.

Trotz der angenehmen Selbstzufriedenheit war ich mit meinem (relativ hohen) Milchkonsum noch unzufrieden. Ich untersuchte Dinge und fand heraus, dass einige Veggie-Burger, die ich im Studentencafé gegessen hatte, Käse als Bindemittel enthielten. Ich hörte auf, diese Veggie-Burger zu essen. Ich gab Sojamilch in meinen Kaffee. Ich mied die sehr käsehaltigen Aufläufe und Nudelgerichte. Meine Ernährung war nun überwiegend frei von tierischen Produkten, doch in einem Punkt wich ich davon ab: Desserts. Pudding, Kekse, Kuchen und (reichlich) nicht-vegane Schokolade verlockten mich noch. Ich konnte vegane Kekse in einem örtlichen Bio-Laden kaufen, aber dies belastete mein Budget. So aß ich weiterhin die nicht-veganen Leckerlies, bezeichnete mich als Vegetarierin und angehende Veganerin.

Dank der tollen Rezepte für köstliche Kekse, die ich in der VegNews fand, und dem Entschluss, der Scheinheiligkeit ein Ende zu setzen, habe ich mich zum Veganismus bekannt. Anstatt „Hershey’s Kisses” zu futtern (die ohnehin nicht so wahnsinnig schmecken), genieße ich ein kleines Stück vegane Schokolade. Anstatt ein Gericht zu essen und mich zu fragen, ob Butter oder Käse darin enthalten sind,  frage ich nach oder esse ich etwas, von dem ich weiß, dass es wirklich vegan ist, wie z.B. brauner Reis und Bohnen – ein neues Lieblingsessen.

Carolin

 

Der Weg zu einer doch noch überzeugten Veganerin, die vom Elternhaus Ablehnung erfuhr – in Norwegen

Mir war stets bewusst, dass etwas daran nicht richtig sein konnte, Tiere zu essen. Doch da ich in einer Familie mit zwei starken älteren Brüdern aufwuchs, wurden meine Ideen immer als kindisch bezeichnet. Im Alter von 12 Jahren versuchte ich, Vegetarierin zu werden, war aber meiner Mutter ausgesetzt, die versuchte, Schinken in mein Sandwich zu schmuggeln und sehr oft von « Ist ja nur eine Phase » sprach. Da ich die meiste Zeit meines Lebens über nicht in der Lage gewesen war, für mich selbst einzustehen, passte ich mich einfach an, das war der einfache Weg. Ich hielt den Kopf gebeugt, arbeitete mich durch Schule und Universität und heiratete einen Tyrannen, der mein Selbstwertgefühl noch weiter sinken ließ.

Zwei Jahre späte fasste ich nach einer Reihe von Ereignissen den Mut, für mich selbst einzustehen. Endlich. Ich habe es nie bereut. Nachdem ich geschworen hatte, Single zu bleiben, traf ich einen wunderbaren Mann, Matthew, der zufälligerweise Vegetarier war und wir zogen aufs Land. Da wir in der Nähe von Tieren wohnten, wurde ich mir über die Wahl, die ich nie richtig getroffen hatte, aber wusste, dass ich sie treffen sollte, bewusst, und so hörte ich mit dem Fleischessen auf. Ich konnte mir nicht mehr die Lämmer auf dem Feld vor unserem Cottage anschauen, wie sie umher sprangen und Spiele spielten und anschließend einen Lammbraten essen. Das konnte ich nicht mehr. So war ich nun Vegetarierin. Ich dachte nie daran, vegan zu werden, bis ich einen Podcast mit Rezepten hörte. Mein jetziger Ehemann Matthew hatte diesen Podcast irgendwann entdeckt und bat mich, ihn anzuhören. Er war ein wenig sprachlos als ich nach dem Anhören entschied, sofort vegan zu werden.  Er redete freundlich auf mich ein, aber ich kann glücklicherweise sagen, dass er nun diesselbe Entscheidung getroffen hat wie ich und wir beschlossen, auch unsere zwei Kinder vegan zu erziehen. Wir haben ein kleines Mädchen, Heidi, 2 Jahre, und einen Sohn, Miller, 7 Monate.

Wir sind als Veganer auf Schwierigkeiten gestoßen, nicht zuletzt deshalb, weil wir in Nord-Norwegen (wir sind Engländer, aber wir zogen 2004 hierher) in einer kleinen Gemeinde leben, wo Fleisch im Überfluss gegessen wird, Vegetarier als psychisch instabil gelten und die Elchjagd recht verbreitet ist. So muss ich gar nicht erwähnen, dass ich weit reisen muss, um die wesentlichen Dinge zu bekommen, die ich brauche, um meine Familie gesund zu erhalten! Doch wir sind gesund und ich fühle mich lebendiger denn je zuvor. Als ich die Milchprodukte aufgab, stellte ich so viele positive Veränderungen fest. Ich verlor mein ganzes Schwangerschaftsgewicht und meine Figur ist besser denn je, meine Haut ist makellos (vorher hatte ich Ekzeme, nun nicht mehr), meine Haare glänzen und ich fühle mich nicht mehr träge oder aufgeschwemmt. Ich habe auch das Gefühl, mein Leben besser im Griff zu haben und bin glücklich, nicht mehr zum Tierleid beizutragen.

Ich habe das Gefühl, dass mein Leben sich weiterhin sprunghaft verbessert. Ich bin nun eine ganz andere Person als das schüchterne kleine Mädchen, das in mir aufgewachsen ist.

Ich treffe viele Menschen, die einfach nicht verstehen, warum die vegane Lebensweise einen so positiven Einfluss auf unser Leben hat…. aber gelegentlich treffe ich auch jemanden, der es tut…

Janett

 

Von der Atkins-Diät zu veganer Ernährung

Mein Weg zum Veganismus war anfangs ernährungsbedingt. Ich wuchs in einem ovo-lakto-vegetarischen Elternhaus auf, doch als ich ins College kam, begann ich damit, sehr viele Hamburger und Fastfood zu konsumieren. 23 kg später kehrte ich zu einer gesünderen Ernährung zurück. Doch ich blieb Fleischesser, vor allem weil ich niemanden kannte, der Vegetarier war – außer meinen Eltern, die keine Einwände dagegen erhoben hatten, dass ich den vegetarischen Lifestyle aufgegeben hatte. Kommt noch hinzu, dass ich in Chicago zur Schule ging, Heimat der besonders dicken „deep dish pizza“.

Viele Jahre später tat ich das für mich Beste (und gleichzeitig Schlimmste) und dies veränderte mein Leben. Um abzunehmen, machte ich ein Jahr lang die Atkins-Diät. Ich aß Käse, Trockenfleisch vom Rind, Rührei, Feinkost-Fleischprodukte, Hüttenkäse und Götterspeise JEDEN TAG. Wenn ich naschen wollte, gab es Schlagsahne aus der Büchse. Dies war meine Diät 24/7 und ich verlor 9 kg. Ich bekam schreckliche Akne, litt regelmäßig an Verstopfung, fühlte mich lethargisch und fix und fertig und bekam Probleme mit den Harnwegen. Mein Arzt sorgte sich um meine Nieren und sprach von „möglichem Schaden bis hin zu Nierenversagen“, wenn ich weiterhin Nahrungsmittel mit hohem Fett- und Natriumgehalt konsumierte. Das gab mir grünes Licht, mit der Diät aufzuhören, und es war eine große Erleichterung für mich.

Nach dem Atkins-Fiasko beschloss ich, zu meinen ovo-lakto-vegetarischen Wurzeln zurückzukehren. Ich fühlte mich fast augenblicklich besser.

Dann brach in England der „Rinderwahn“ aus.

Eine Freundin von mir war zu dieser Zeit mit einem Veganer befreundet und wir diskutierten lange darüber, warum wir ein größeres Risiko hatten als er zu erkranken oder durch kontaminierte Nahrung beeinträchtigt zu werden. Ich forschte zum Thema „Veganismus“ und Tierproduktion. Beschämenderweise ordnete ich erst jetzt Fleisch und Milchprodukte in dieselbe Kategorie ein. Ich hatte zuvor immer eine Trennung zwischen Huhn und Ei vollzogen. Ich verdrängte diese Gedanken jedoch einige Jahre lang, weil ich miterlebte, wie Veganer behandelt werden. „Freak“ ist der Ausdruck, an den ich mich am besten erinnere.

Zu einer Zeit, als ich mich dann sehr über meine Gesundheit sorgte, entschloss ich mich zu einer 100-prozentig veganen Ernährung. Von heute auf morgen, ohne Übergang. Und ich las weiter. Infolgedessen erlebte ich erstaunliche Dinge.

Ich liebe Kochen und eine neue Kochkunst kennenzulernen, war eine spannende Herausforderung. Nach zwei veganen Jahren ist es für mich NOCH IMMER ein gewaltiger Nervenkitzel, wenn Arbeitskollegen von einem Brot oder einem Dessert schwärmen, das ich ihnen mitgebracht habe, und sich ihr Gesichtsausdruck dann abrupt verändert, wenn ich ihnen mitteile, dass der tolle Geschmack vom Tofu stammt.

Ich habe auch dauerhaft an Gewicht verloren. Ich gehe noch ins Fitnessstudio und trainiere so viel wie möglich. Das Training fällt mir deutlich leichter, obwohl ich älter werde.

Das größte Geschenk war jedoch, wieder mit den Tieren verbunden zu sein. Meine süße Katze Mo war immer eine Freundin gewesen. Doch nun ist sie eine richtige Gefährtin geworden. Ich kann mir ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen, weil ich sie als gleichwertig betrachte und nicht mehr bloß als ein Haustier. Und ich verehre andere Tiere mit demselben Respekt. Diese Einstellung erwachte in mir erst, nachdem ich Veganer geworden war.

Der Veganismus hat einen Kreis in meinem Leben geschlossen. Ich bin sowohl Individuum als auch Teil einer Gemeinschaft  – einer großen Gemeinschaft von Menschen und Tieren. Es erfüllt mich mit Demut, Teil einer so großen Familie zu sein, wo jeder Einzelne unterschiedlich ist und doch gleich, einzigartig und besonders.

c.

 

Ein Tierfreund hört auf, Tiere zu essen

Ich habe Tiere schon immer sehr geliebt. Schon als Kind gab es Zeiten, in denen ich mich in ihrer Gesellschaft wohler fühlte als andere Menschen. Als ich 12 oder 13 Jahre alt war, hatte ich einen Freund, der Vegetarier war und mir die Massentierhaltung (jedoch nur die Fleischproduktion) erklärte. Dies brachte mich wirklich zum Nachdenken.

Im Biologieunterricht (im selben Jahr) mussten wir Insekten töten und sie für ein Projekt aufpinnen. Ich war nicht in der Lage, dies zu tun. Es fühlte sich nicht richtig an und deshalb fragte ich nach einer anderen Aufgabe. Die Lehrerin sagte etwas wie « Ok, du kannst stattdessen einen Bericht über Insekten schreiben. Kann ich dich aber mal was fragen ? Isst du Fleisch? Ja ? Wo ist dann der Unterschied ? »

Meine Lehrerin versuchte mich zu überzeugen, am Original-Projekt weiterzuarbeiten, aber ihre Worte hatten mich zum Nachdenken gebracht. Von da an aß ich von einem Tag auf den anderen kein Fleisch mehr und habe es nie bereut. Das war vor ca. 8 Jahren. Leider konnte ich nicht kochen und wusste nicht, wie wichtig die Ernährung ist. Ich erfuhr keine Unterstützung von der Familie, deshalb lebte ich sehr ungesund. Meine Ernährung bestand hauptsächlich aus Käsepizza, gegrilltem Käsesandwich, gelegentlichen Tomatensuppen und Gemüse-Bechersuppen. Ich war stark übergewichtig und bei schlechter Gesundheit.

Um mehr herauszufinden, begann ich im Internet zu recherchieren und fand Informationen zum Thema Veganismus. Als ich über den Schrecken las, der mit der Milch- und Eierproduktion verbunden ist, wusste ich, dass ich eine Veränderung herbeiführen musste. Ich ging es jedoch langsam an und lebe nun seit anderthalb Jahren vegan. Ich verlor 23 kg und habe mich nie besser gefühlt. Ich bereue meine Entscheidung nicht.

Renee

 

Vom nicht-vegetarischen Buddhisten zum Vegan-Aktivisten

Ich bin in Taiwan geboren, wuchs aber hauptsächlich in Afrika und den Vereinigten Staaten auf. An Taiwan habe ich wenige Erinnerungen, doch eine sehr lebendige ist, dass meine Mutter mit meinem Bruder und mir zum Markt ging, um Schildkröten zu kaufen. Wir fuhren dann irgendwo an einen See, um sie freizulassen. Diese Praxis des „Leben Befreiens“ ist unter frommen Buddhisten sehr verbreitet und wir fuhren gelegentlich sogar in Malawi damit fort, wo wir verschiedene Schildkröten kauften, um sie freizulassen.

Anders als buddhistische Mönche und Nonnen waren wir jedoch keine Vegetarier. In Wirklichkeit hasste ich Gemüse und wollte nur Fleisch essen. Meine Mutter musste mich dazu zwingen, Gemüse zu essen, damit ich mich gesund ernährte. Die meiste Zeit meines Lebens über waren Fleisch und tierische Produkte Hauptbestandteil meiner Ernährung. Ich konnte nie etwas Schlechtes daran finden.

Obwohl ich viele Vegetarier kennenlernte, betrachtete ich den Vegetarismus eher als eine „Vorliebe“ oder „gesunde Lebensweise“ und weniger als ethisch motiviert.  In meinen 20ern erzählte ich sogar meinen vegetarischen Freunden (halb scherzhaft), dass ich ein Buch darüber schreiben werde, warum der Vegetarismus schlecht für unsere Erde ist. Wie naiv ich damals war, aber ich liebte Fleisch – es musste Teil jeder Mahlzeit sein.

In meinen frühen 30ern wuchs mein Interesse an Ethik als weltlicher Alternative zu Religionen. Ich begann Bücher über Ethik zu lesen, darunter Peter Singers „Writings on an Ethical Life“. Das Buch behandelt verschiedene Themen, aber es war genug über Tierschutz dabei, um es mit dem Vegetarismus zu versuchen. Es ging sechs Monate lang gut, doch ich gab es wieder auf, als ich beruflich bedingt auf die Philippinen und nach Mexiko reisen musste.

Schnell weiter zum Mai 2006. Peter Singer veröffentlichte ein weiteres Buch mit dem Namen „The Way We Eat“. Ich hörte mir das ganze Buch innerhalb von zwei Tagen auf meinem iPod an. Diesmal wusste ich, dass es kein Zurück mehr gab. Ich musste endgültig aufhören, Fleisch zu essen. Nicht nur Fleisch, sondern alle tierischen Produkte.

Da ich es schon einmal mit dem Vegetarismus versucht hatte, wusste ich, dass ich dieses Mal Kochen lernen musste. Also kaufte ich mir verschiedene vegane Kochbücher, krempelte die Ärmel hoch und begann ernsthaft mit dem Kochen.

Ich wollte mir sicher sein, dass mein Schwerpunkt nicht auf dem lag, was ich aufgegeben hatte, sondern auf dem, was ich aß. Die neue Ernährung musste mehr Spaß machen, nicht weniger. Das war nicht wirklich schwierig, wenn man bedenkt, dass ich vorher nie gekocht habe. Nun, da ich richtig kochte (und nicht bloß aufwärmte), wurden meine Mahlzeiten schmackhafter, gewagter und gesünder.

Anderthalb Jahre später mache ich noch immer jede Woche neue Gerichte und Desserts. Ich lade oft Freunde zum Abendessen ein und sie können selbst sehen und schmecken, was veganes Essen ist. Noch hat niemand den Sprung zum Veganismus gewagt, aber zumindest reden wir darüber.

Ich erinnere mich, wie lange ich für das Umdenken brauchte und ich weiß, dass jeder seinen eigenen Weg gehen muss und dass dies eine Weile dauern kann.

Mein eigener Weg hat mir Folgendes gelehrt:

1.) Menschen können sich ändern.
Wir mögen Gewohnheitstiere sein und Traditionen blind folgen. Doch von Zeit zu Zeit entfliehen wir den geistigen Zwängen, die wir von der Gesellschaft auferlegt bekommen.

2.) Die innere Kraft ist der Schlüssel.
Unsere Gesellschaft, unsere Familien und unsere Freunde versuchen alle, uns vom Veganismus abzubringen. Das bedeutet nicht, dass wir streiten, kämpfen oder uns abmühen sollen. Stattdessen sollten wir zuhören….und teilen…..und weiter unserer inneren Stimme folgen.

3.) Beim Veganismus geht es nicht nur um das Essen.

4.) Das Glück, das die vegane Lebensweise hervorruft, spürt man jeden Tag.
Jedes Mal, wenn du kochst, isst oder einkaufst, bist du dir bewusst über das Leid, das du  lindern hilfst, und die Befreiung, die für dich selbst und andere Tiere möglich ist. Unsere Anstrengungen mögen im Vergleich zu dem Ausmaß an Ausbeutung, das uns umgibt, verblassen. Doch wir wissen, dass wir einen Unterschied machen – dass wir jeden Tag „Leben befreien“ – und darin liegt ein wahres Glück.

Karl